Rasseporträt

Der Landseer ist eine von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannte Hunderasse, deren Ursprung in Deutschland und der Schweiz liegt. Die Rasse wird von der FCI mit dem Standard Nr. 226 in der Gruppe 2, Sektion 2.2 geführt.

 

Herkunft und Geschichtliches

 

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Saved (1856). Gemälde des englischen Malers Edwin Landseer. Die Darstellung des Hundes, der ein Kind vor dem Ertrinken gerettet hat, betont die angeborene Wasserleidenschaft der Rasse.

Der Landseer als eigenständige Rasse ist vergleichsweise jung. Die Rasse entstand vor dem Hintergrund, dass der schwarzweiße Typ des Neufundländers Anfang des 20. Jahrhunderts in England mehr und mehr zurückgedrängt wurde und zu verschwinden drohte. Schweizer und Deutsche Kynologen begannen auf der Basis schwarzweißer Neufundländer aus England mit dem Aufbau einer eigenen Rasse, die sie – entsprechend der bereits verbreiteten Bezeichnung für diesen Farbschlag des Neufundländers – Landseer nannten. 1960 erkannte die Fédération Cynologique Internationale den Landseer als eigenständige Rasse an.

Der Name der Rasse beruht darauf, dass der Maler Edwin Landseer, einer der bekanntesten englischen Tiermaler seiner Zeit, in seinen Gemälden und Zeichnungen um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen bestimmten schwarzweißen Hundetyp bevorzugte, der in Großbritannien unter dem Namen Newfoundland Dog, Neufundländer, bekannt war. Die Vorliebe des Malers führte dazu, dass dieser Hundetyp bald landläufig den Namen Landseer Dog bekam, ohne dass sich die offizielle Rassebezeichnung änderte.

Der unmittelbar feststellbare Ursprung der Rasse sind Hunde, die von britischen Fischern aus Neufundland nach England gebracht wurden. Es ist anzunehmen, dass der Ursprung dieser Hunde in Europa lag, denn baskische Walfänger überwinterten lange vor den Briten im nördlichen Teil Neufundlands. Da es üblich war, auf Schiffen Hunde mit zu führen, ist es wahrscheinlich, dass diese Basken von großen nordspanischen Hunden begleitet wurden, die im Frühjahr häufig zurückgelassen wurden. So sind die optischen Gemeinsamkeiten mit dem großen spanischen Pyrenäenhund Mastín del Pirineo teilweise augenfällig. Möglicherweise haben der Neufundländer, der heutige Landseer und Pyrenäenberghunde Chien de Montagne des Pyrénées gemeinsame Vorfahren.

In Großbritannien wurden die Hunde als Newfoundland Dogs beliebte Hunde des englischen Adels und des Großbürgertums, mit denen man sich gerne schmückte. Die Zeichnungen Edwin Ladseers steigerten ihre Bekanntheit weiter.

1886 wurde der „Newfoundland Club“ in England gegründet, der sowohl den ursprünglichen weiß-schwarzen, als auch den seit etwa 1850 aufgetretenen schwarzen und rot-braunen Typ züchtete. Schon früh begann der Streit um einen Standard zwischen den Befürwortern des

schwarzen und den Anhängern der weiß-schwarz gefleckten Hunde. Die Befürworter des schwarzen Typs setzten sich durch und es wurde angestrebt, beide Typen zu verschmelzen, worüber der ursprüngliche weiß-schwarze Typ immer weniger in Erscheinung trat und in England fast in Vergessenheit geriet. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts begann die Renaissance des weiß-schwarzen Landseers, als schweizerische und deutsche Kynologen und Züchter letzte noch zur Zucht verwendbare Tiere aus England holten und die kontinental-europäische Reinzucht der Landseer aufbauten. Aufgrund der dominanten Vererbung der schwarzen Fellfarbe wurden zur Festigung des ursprünglichen weiß-schwarzen Charakters dabei auch Kuvasz sowie Pyrenäenberghunde als homozygot-weiße Rassen eingekreuzt.

Heute unterscheiden sich die beiden aus den Newfoundland Dogs hervorgegangenen Rassen Landseer und Neufundländer deutlich. Der Kopf des Landseers wirkt nicht so massig, die Schnauze ist etwas länger und nicht so stumpf. Insgesamt ist er etwas größer und wirkt agiler als der Neufundländer. Der schwarzweiße Neufundländer verschwand nicht, es gibt ihn neben der neu entstandenen Rasse Landseer auch weiterhin.

 

Wesen und Verwendung

 

 

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Landseer Welpe

 

 

 

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Landseer im Einsatz als Rettungshund

 

Der Landseer gilt als wacher, aktiver und temperamentvoller als der Neufundländer. Er hat einen natürlichen Wach- und Schutztrieb und ist sehr menschenbezogen. Als Erbe seiner spanischen Vorfahren, die über Jahrhunderte ihre Herden gegen Wölfe und Bären verteidigten, erkennt ein Landseer selbstständig Gefahren und ist in der Lage, instinktiv eigenständige Entscheidungen zu deren Abwehr zu treffen. Schon seit dem 19. Jahrhundert hat er den Ruf, Menschen eigenständig vor dem Ertrinken zu retten, weswegen er auch heute noch als Wasserrettungshund an Seen und an den Küsten eingesetzt wird. Eine weitere Verwendung findet der Landseer verstärkt auch als Therapiehund, da er generell sehr lernfreudig ist und ihn in der Regel eine Menschen gegenüber hohe Reizschwelle auszeichnet.

Entsprechend erzogen, ist der Landseer ein sehr gut geeigneter Familienhund. Daher erfordert das Halten eines Landseers eine zwar liebevolle, aber dennoch stets konsequente Erziehung, die möglichst frühzeitig beginnen sollte. Für einen Landseer, insbesondere für einen Rüden, darf seine (untergeordnete) Stellung im 'Rudel Familie' nie in Frage stehen, da er ansonsten versucht sein könnte, selbst die Führung zu beanspruchen. Eine Begleithundausbildung ist sinnvoll und zu empfehlen; für eine besondere Ausbildung als Schutzhund ist er demgegenüber eher ungeeignet, da eine sklavische Unterwerfung seinem Wesen fremd ist.

Zur Entfaltung seiner vielen positiven Eigenschaften benötigt der Landseer aber einen engen Kontakt zu seiner Familie. Er ist daher nicht für eine Zwingerhaltung geeignet. Ideal zur Haltung eines Landseers ist ein Haus mit eingezäuntem Areal, wo sich der Hund frei bewegen kann. Bei Spaziergängen ist er ein aufmerksamer Begleithund. Darüber hinaus ist er ein angenehmer und regelmäßig ruhiger Haushund, der nicht ohne Grund bellt. Zu Gästen des Hauses verhält er sich freundlich; Fremden gegenüber verhält er sich wachsam und reserviert.

 

 

FCI-Standard Nr. 226
2.2 Berghunde
Ursprung:

Deutschland / Schweiz

Widerristhöhe:

Rüde 72–80 cm
Hündin 67–72 cm

Gewicht:

Rüde 60–75 kg
Hündin 50–55 kg

 

Die dreieckigen Ohren sind mittelgroß, wenn sie gegen die Augen gelegt werden, reichen sie bis zum inneren Augenwinkel.

Das Deckhaar ist durchsetzt mit Unterwolle, aber nicht so dicht wie beim Neufundländer. Auffällig ist die Farbe, die ihn am meisten vom Neufundländer unterscheidet: Weiß mit schwarzen Platten, die auf dem Rumpf und der Kruppenpartie verteilt sind.

Der Kopf ist schwarz, als Zuchtfestigung gilt eine nicht zu breite symmetrische Blesse.

Augen: mittelgroß, mäßig tief liegend, braun bis dunkelbraun, mit freundlichen Blick, Lidspalte mandelförmig, Lidhaut nicht sichtbar. Ausgesprochen helle Augen sind fehlerhaft.

Lefzen: trocken, schwarz pigmentiert, die möglichst straffe und nicht geifernde Oberlefze soll die Unterlefze leicht decken.

Hals: Der Hals, im Querschnitt nicht ganz rund, sondern leicht eiförmig, steigt muskulös und breitnackig aus der Schulter-Brustpartie gegen den Kopf an. Ausgeprägte Kehl- oder Halswamme ist nicht erwünscht.

Körper: Die Länge vom Widerrist zum Rutenansatz entspricht ungefähr der doppelten Kopflänge. Von den Schultern bis zur Kruppe breit und kräftig. 

Rücken: Straff, gerade.

Lenden: Muskulös 

Kruppe: Breit, durch starke Muskelpolster seitlich und nach hinten schön abgerundet.

Brust: tief und breit mit entsprechend kräftiger Rippenwölbung des Brustkorbes. 

Bauch: wenig aufgezogen. Zwischen Bauch und Lenden soll eine flache Vertiefung der Flankengegend deutlich sichtbar sein.

Rute: stark, höchstens bis etwas unter das Sprunggelenk reichend, sehr dicht und buschig behaart, aber ohne eigentliche Fahne. In der Ruhe soll der Hund im Stand die Rute abwärts hängend  tragen, mit, eventuell, am Ende einer leichten Biegung nach oben. In der Erregung darf er sie gerade ausgestreckt mit einer leichten Biegung nach oben tragen. 

Vorderhand: starke, von der Schultergegend kommende Muskelmassen umlagern die kräftigen Oberarmknochen, dem sich unter richtiger Winkelung die mächtigen Knochen des von vorne gesehen vollkommen geraden, gut bemuskelten Laufes anschließen. Der ganze Lauf ist bis zum Sprunggelenk leicht befedert.

Ellenbogen: liegen dem tiefsten Teil des Brustkorbes an, stehen ziemlich hoch und sind genau rückwärts gerichtet. 

Hinterhand: soll kräftig sein. Die Hinterläufe müssen durchwegs frei beweglich sein und sollen starke Knochen haben, die von kräftigen Muskeln überlagert sind. Die Hinterläufe sind mäßig befedert.

Pfoten: Groß und gut geformt. Gespreizte oder nach außen gedrehte Pfoten sind zu beanstanden. Die Zehen sollen durch starke Schwimmhäute bis ziemlich weit zu Zehenspitze verbunden sein.

Gangwerk:  Die Bewegung und Gangart der muskulösen Läufe ist leicht fördernd und geräumig.